|
 |
Tipp: Für eine
Großansicht Foto
bitte anklicken. |
Im Pfingstgeschehen, rechts daneben, wird die biblische Überlieferung sehr frei interpretiert. Es geht
Conrad um die Ehrung Marias als "Mutter Kirche". Auf sie kommt stellvertretend der Heilige Geist in Gestalt
einer Taube hernieder. Sie beherrscht das Bild unumstritten. Verstärkt wird dies durch die roten Gewänder
der beiden 'Apostelfürsten' links und rechts von ihr. Unbedingt zu beachten ist der sogenannte 'Brillenapostel',
die früheste Darstellung einer Brille nördlich der Alpen. Der Brillenapostel ist zu einem Symbol der
Ev. Kirchengemeinde Wildungens geworden und findet sich heute in ihrem Siegel wieder.
Den Abschluß des Bilderzyklus bildet die Darstellung des Weltenrichters. In ihr mischen sich verschiedene
Maltraditionen, dennoch ist dies das am traditionellsten gehaltene Bild dieses Altars. Links ist wieder Maria zu
sehen, rechts Johannes der Täufer im Gewand des Asketen. Beide beten zum Weltenrichter für das Heil der
Auferstandenen. Unter diesen Figuren tun sich die Gräber auf und dazwischen verschlingt die Hölle alle
Sünder. Die Seelen der Geretteten lässt Petrus links oben in den Himmel ein.
Die Rückseite des Altars ist jetzt die meiste Zeit des Jahres verhängt, um weitere Schäden am Bild
durch Licht und Wärme zu vermeiden. Geschlossen zeigt der Altar vier Heiligendarstellungen. Von links nach
rechts sind dies die Heilige Katharina mit Rad und Schwert. Sie genoß zu Conrads Zeiten besonders
hohes Ansehen und nach ihr wurde dieser Altar zunächst auch der Katharinen-Altar genannt; Johannes der
Täufer, mit Bibel und einem Lamm, im Büßergewand und barfuß. Auf seine Darstellung begründet
sich unter anderem die Vermutung, dass der Altar vom Johanniter-Orden gestiftet wurde dessen Namenspatron der Täufer
ist; die Heilige Elisabeth, schon immer eine der wichtigsten Heiligenfiguren Nordhessens, mit einer Kirche
in der Hand, als Nonne dargestellt und der Heilige Nicolaus, im vollen Bischofsornat, dem diese Kirche geweiht
wurde. Eigentlich heißt sie auch heute noch "St.-Nicolaus-Kirche", dieser Name ist aber fast vollständig
in Vergessenheit geraten.
Text: Wolfgang Keller
|