Der Altar des Conrad von Soest

1403 - 2003 · 600 Jahre Wildunger Altarbild

Über das Leben dieses Dortmunder Malers wissen wir nicht viel
und auch von seinen Werken sind leider nur wenige erhalten.
Ohne Zweifel aber gehört Conrad von Soest zu den bedeutendsten
Vertretern der deutschen Malerei. Den "Wildunger Altar", vermutlich
vom Johanniterorden in Auftrag gegeben, vollendete Conrad im Jahre
1403. Mit dem Einbau einer ersten Heizung in die Stadtkirche vor
gut 100 Jahren begannen die Holztafeln zu arbeiten und es entstanden
schnell Risse im Bild.
Mehrere Restaurationen fügten dem Bild weitere Schäden hinzu.
Zuletzt wurde das Altargemälde von 1994-98 eingehend untersucht und restauriert.
Umbauten in der Kirche und eine angepasste Heizungsanlage sorgen jetzt für ein optimales Raumklima zur Vermeidung weiterer Schäden.

Stadtkirche mit Altarbild
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Bitte bedenken Sie, dass alle Beschreibungen, ja selbst Fotografien Ausdruck, Details und Leuchtkraft der Farben dieses einzigartigen Kunstwerkes nur unvollkommen wiedergeben können.
Im geöffneten Zustand zeigen sich uns 13 Bilder: in der Mitte die alles beherrschende Kreuzigungsszene, links und rechts ist die Lebens- und Leidensgeschichte Christi dargestellt.

Die VerkündigungBeginnen wir links oben: Die Verkündigung:
Gleich in diesem ersten Bild zeigt Conrad seine Meisterschaft, Botschaften in Bilder zu fassen. Maria wird als gebildete und edle Frau dargestellt, das zeigen die Bücher und ihre Kleidung. Die Blume in der schönen Vase symbolisiert ihre Reinheit, die Taube den Heiligen Geist. Der Erzengel Gabriel begrüßt Maria ehrfurchtsvoll mit den Worten auf dem Spruchband "Sei gegrüßt, Maria, Gnadenvolle, der Herr ist mit dir." Und Conrad hat auch gleich sich selbst verewigt: Auf der für Maria nicht sichtbaren Seite des aufgeschlagenen Buches findet sich sein Name.

Rechts daneben ist die Geburt Christi dargestellt. Maria und das Kind beherrschen die Szene, obwohl sie sich am Bildrand befinden. Ungewöhnlich ist der unterwürfig kniende, fürsorgliche Josef, der einen Brei für das Kind zubereitet. Seine Gesichtszüge erscheinen individuell. Conrad brach mit der Tradition maskenhafter, stets gleicher Gesichter. Und noch etwas ist in dieser Szene ungewöhnlich: Die Architektur des Stalls wird durch die vor Marias Lager gezogene Stütze plastisch. Zwar müßte der Stall, so wie er hier gebaut ist, jeden Moment zusammenbrechen, aber Conrads Absicht wird klar: Architektur laßt sich wirkungsvoller darstellen als es üblich war. Conrad fing an, perspektivisch zu malen.

Links unten sehen Sie die Anbetung der Könige. Aus dem Stall ist ein gotisches Bauwerk geworden, aber wieder steht Maria im Mittelpunkt. Schauen Sie sich die Könige genau an und betrachten Sie dann die Männergruppe in der Kreuzigungsszene. Die Ähnlichkeit der Gewänder, des Schmucks und der Gesichter lassen vermuten, daß Conrad hier einer damals populären Legende folgt, die besagt, die "Drei Weisen" hätten unter Jesu Kreuz gestanden.

Es folgt die Darbringung des Kindes im Tempel. Simeon ist von der Kleidung her als Jude zu erkennen. In seinem kleinen Täschchen am Gürtel bewahrt er die rituellen Beschneidungsinstrumente auf. Rechts im Hintergrund stehen zwei Herren. Über ihnen schwebt ein Höllenwesen als Zeichen dafür, daß hier zwei lebende Personen dargestellt sind. Vermutlich sehen wir links Conrad selbst und neben ihm den damaligen Pfarrer dieser Kirche, Conrad Stollen.

Der Mittelteil